On Music
A Thought
In
appreciating art, the books one has to have read beforehand should not
be so important as the books one wishes to read afterwards.
What is Music?
An attempt to encircle an unanswerable question:
To experience together - to feel together - to explore together - to
listen together - to breathe together - to live together - to think
together
Same direction without leveling down
On an emotional level: to experience joy - to make the unbearable bearable - catharsis: "no doubt pleasant are the teares which
Musicke weepes." (John Dowland)
The resultant question: why can positive emotions be experienced in music directly whereas negative emotions are transformed?
Making Music
The distinction should not be between "correct/wrong" but between "true/false".
Truthful music-making is dependent on total openness. This makes one
vulnerable. A consequence of the humanly understandable avoidance of
this vulnerability in daily music business is the substitution of
"correct/wrong", an illusory criterium - a mechanistic frame of mind
which declares a technical prerequisite the goal and which
fundamentally distorts the century- if not millennia-old aim of every
music practice.
Performance Practice
In
developing an interpretation one should not forget that at the time of
composition, historical studies were not the main aim, but the living
experience of music.
To be historically informed is not the goal of making music and cannot be a valid category of judging music.
However, this does not imply that historical studies are unimportant. -
To the contrary: they are absolutely essential in order to retrace the
living experience of a past culture and to provide our time with an
approach that is neither academic nor hidebound.
This apparent paradox, this tension is the cost of being born too late,
but also of the liberty to choose from 1000 years of music history.
Poetry
In
almost all historical treatises known to me which speak about musical
form and thematic structuring, this is done by drawing analogies to
poetry and verse structure. Classical European music has two roots
which define it far into the 20th century: poetry (in the widest sense
of the word) and dance. Both have one thing in common: metrics. In the
interplay of metres, rhetoric on one side and of ecstatic repetition
and variation of movement patterns on the other, the klangrede,
sound-speech, in an absolute musical sense is born.
Tempo
Das Wort „Tempo“ wird meistens mit „Geschwindigkeit“ verwechselt.
Die Diskussion, ob es für ein Stück nur ein einziges Tempo
gäbe, ist sehr alt. Was oft vergessen wird: Das
„Stück“ a priori existiert gar nicht; die
kompositorische Klangvorstellung wird zu Papier gebracht, und dieses
Papier wird zum Erklingen gebracht – jedes Mal aufs neue. Keine
Aufführung gleicht der anderen.
Was zu erstreben ist: im Augenblick die größte Dichte der Klangrede zu erzielen.
Ein gewaltiger Unterschied besteht zwischen als zu langsam empfundenen
und als zu schnell empfundenen Tempi. Bei „zu langsamen“
ist das Ergebnis Langeweile. Bei „zu schnellen“ wird die
Klangrede unklar, es stellen sich Streß, Teilnahmslosigkeit und
ein Gefühl der Begeisterung für bloße technische
Brillanz ein. Während ersteres einschläfernd wirkt (zu oft
wird aber klassische Musik genau deshalb gehört – zur
Entspannung nach einem anstrengenden Arbeitstag; ein entsetzlicher
Mißbrauch), verstellt das Vergnügen an bloßer Brillanz
den Blick auf das, was Musik überhaupt zu tun in der Lage ist:
eine innere, verinnerlichte Landschaft zu erzeugen und gleichzeitig zu
vermitteln – Menschen zu vereinen.
Spezialisten
Natürlich
kann sich niemand gleich gut mit allem beschäftigen. Man sollte
aber z. B. im Zeitalter der ständigen Verfügbarkeit aller
Arten von Musik nicht Händel spielen, ohne sich mit
Schostakowitsch auseinandergesetzt zu haben; keine neueste Musik
aufführen, ohne die älteste reflektiert zu haben. Denn die
Verfügbarkeit ist auch eine Verpflichtung zu weitem Blickwinkel
– sonst besteht die Gefahr eines Verlorengehens im Detail, eines
Versinkens in Belanglosem, einer Auflösung in Belanglosigkeit
durch Überspezialisierung.
Die wirkliche Chance unserer Zeit heißt aber: Spezialisierung auf
Gesamtschau. Es gibt kaum beglückenderes, als die Gemeinsamkeiten
von Dowland und Brahms aufzuspüren, die Unvereinbarkeiten von
Bruckner und Schostakowitsch, die Gemeinsamkeiten und Unvereinbarkeiten
von Josquin und Messiaen.
Ein Märchen
Es
ist leicht einzusehen, dass "Des Kaisers Neue Kleider" nur ein
Märchen ist. In Wirklichkeit hätte dem Kind, das die Wahrheit
sagt, niemand geglaubt - und es wäre mit "das verstehst du nicht"
abgespeist worden.
Schubert
Einer,
der wie niemand vor und niemand nach ihm versteht, sich in Dichtung
hineinzuversenken, jede feinste Verästelung der Lyrik
nachzuempfinden, der kaum aus seiner Geburtsstadt herauskommt und der
in sich und aus sich heraus eine Welt baut: eines der wenigen
wirklichen Wunder der Musikgeschichte.
– Ein Schicksal: So etwas muß domestiziert werden, um in
seinem letztendlichen Scheitern(?) erträglich zu werden und in
seiner Rätselhaftigkeit harmlos. So wird der Wanderer zum
fröhlichen Trinkgesellen, zum dicklichen Biedermeier, zu
„unserem“ Volkskunsthandwerker, zum vormärzlichen
Eskapisten, zum netten Burschen aus der Vorstadt, etwas linkisch,
kurzsichtig, aber eben nett, kein Titan, sondern einer von uns, einer,
der Populäres zur hohen Kunst macht, dessen Lieder,
mißverstanden, oder besser: unverstanden, geradezu hymnentauglich
sind.
Wiener Klassik
Der
musikalische Stil, den wir vereinfachend „Wiener Klassik“
nennen, hat nichts mit einem klassizistischen Einhalten oft
willkürlicher Regeln zu tun, sondern, besonders auf formalem
Gebiet, immer mit einem kunstvollen Spiel mit der dem gebildeten
Publikum vertrauten Konvention, mit der Überraschung, und auch
– ein Schritt weiter – mit dem Unvorhersehbarmachen des an
sich Regelmäßigen.