Aufsätze Archive | Nicolas Radulescu, Dirigent

Ein Versuch, die unbeantwortbare Frage einzukreisen:
Ein Miteinander Erleben – Erfühlen – Erforschen – Erhorchen – Atmen – Leben – Denken
Gleiche Zielrichtung ohne Gleichmacherei

Auf emotionaler Ebene: Freude erleben – Schlimmes erträglich machen – Katharsis

„no doubt pleasant are the teares which Musicke weepes.“ (John Dowland)

Die große Frage: Warum sind in der Musik positive Emotionen unmittelbar erlebbar, negative aber werden verwandelt?

N. R. (2009)

Natürlich kann sich niemand gleich gut mit allem beschäftigen. Man sollte aber z. B. im Zeitalter der ständigen Verfügbarkeit aller Arten von Musik nicht Händel spielen, ohne sich mit Schostakowitsch auseinandergesetzt zu haben; keine neueste Musik aufführen, ohne die älteste reflektiert zu haben. Denn die Verfügbarkeit ist auch eine Verpflichtung zu weitem Blickwinkel – sonst besteht die Gefahr eines Verlorengehens im Detail, eines Versinkens in Belanglosem, einer Auflösung in Belanglosigkeit durch Überspezialisierung.
Die wirkliche Chance unserer Zeit heißt aber: Spezialisierung auf Gesamtschau. Es gibt kaum beglückenderes, als die Gemeinsamkeiten von Dowland und Brahms aufzuspüren, die Unvereinbarkeiten von Bruckner und Schostakowitsch, die Gemeinsamkeiten und Unvereinbarkeiten von Josquin und Messiaen.

N. R. (2009)

Man darf beim Entwickeln einer Interpretation nicht vergessen, daß früher nicht historische Beschäftigungen mit einem bestimmten Stil ausschlaggebend waren, sondern das lebendige Erleben.
Historisches Informiertsein ist nicht der Zweck des Musikmachens und kann keine Bewertungskategorie sein.

Das heißt aber nicht, daß heute jene historische Beschäftigung unwichtig wäre. – Im Gegenteil: Sie ist notwendig, um das lebendige Erleben der Kultur einer vergangenen Zeit nachvollziehen zu können und unserer Zeit erst einen Zugang zu schaffen, der weder museal noch akademisch ist.

Dieses scheinbare Paradoxon, diese Spannung aber ist der Preis des Nachgeborenseins und der Freiheit, aus 1000 Jahren Musikgeschichte wählen zu können.

N. R. (2009)

Es sollte nicht um „Richtig/Falsch“ gehen, sondern um „Wahr/Falsch“.

Wahrhaftiges Musikmachen bedingt völlige Öffnung. Das macht verletzlich. Eine Folge der menschlich verständlichen Vermeidung dieser Verwundbarkeit im täglichen Betrieb ist die Substituierung von „Richtig/Falsch“, einem Scheinkriterium – einem mechanistischen Denken, das eine technische Voraussetzung zum Ziel erklärt und grundlegend das vormals über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende gleiche Ziel jeglicher Musikausübung verfälscht.

N. R.

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