Quotations Archive • Nicolas Radulescu, Conductor

Eine schöne Sache findet nirgend bessern ingres als in einem gleichfals schönen Gemüthe; wird aber hingegen übel tractirt / verachtet und verspottet von einem tölpischen Sinn.

Johann Mattheson Das Neu=Eröffnete Orchestre (1713), 80 – 85

Total conviction often rests upon ignorance. Superior knowledge often is insecure.

N. R.

One does not become a genius by copying a genius. One does not become an eccentric by copying an eccentric. (Perhaps it is a main characteristic of geniusses and eccentrics not to copy anyone.) On the other hand: Simply not to copy anyone does not yet make one a genius.

N. R.

An attempt at zeroing in on the unanswered question: To experience together – to feel – to explore – to listen – to breathe – to live – to think

Same direction without levelling

On the emotional plain: to experience joy – to make the unbearable bearable – katharsis

“no doubt pleasant are the teares which Musicke weepes.” (John Dowland)

The question remains: Why can positive emotions be experienced immeadietly in music, but negative emotions are changed?

N. R.

Der musikalische Stil, den wir vereinfachend „Wiener Klassik“ nennen, hat nichts mit einem klassizistischen Einhalten oft willkürlicher Regeln zu tun, sondern, besonders auf formalem Gebiet, immer mit einem kunstvollen Spiel mit der dem gebildeten Publikum vertrauten Konvention, mit der Überraschung, und auch – ein Schritt weiter – mit dem Unvorhersehbarmachen des an sich Regelmäßigen.

N. R. (2009)

Natürlich kann sich niemand gleich gut mit allem beschäftigen. Man sollte aber z. B. im Zeitalter der ständigen Verfügbarkeit aller Arten von Musik nicht Händel spielen, ohne sich mit Schostakowitsch auseinandergesetzt zu haben; keine neueste Musik aufführen, ohne die älteste reflektiert zu haben. Denn die Verfügbarkeit ist auch eine Verpflichtung zu weitem Blickwinkel – sonst besteht die Gefahr eines Verlorengehens im Detail, eines Versinkens in Belanglosem, einer Auflösung in Belanglosigkeit durch Überspezialisierung.
Die wirkliche Chance unserer Zeit heißt aber: Spezialisierung auf Gesamtschau. Es gibt kaum beglückenderes, als die Gemeinsamkeiten von Dowland und Brahms aufzuspüren, die Unvereinbarkeiten von Bruckner und Schostakowitsch, die Gemeinsamkeiten und Unvereinbarkeiten von Josquin und Messiaen.

N. R. (2009)

Es ist leicht einzusehen, dass “Des Kaisers Neue Kleider” nur ein Märchen ist. In Wirklichkeit hätte dem Kind, das die Wahrheit sagt, niemand geglaubt – und es wäre mit “das verstehst du nicht” abgespeist worden.

N. R. (2009)

In fast allen mir bekannten historischen Traktaten, die über musikalische Form bzw. thematische Struktur sprechen, werden Analogien zur Dichtkunst gezogen. Die klassische europäische Musik hat zwei Wurzeln, die bis weit ins 20. Jahrhundert bestimmend bleiben: Dichtung (im weitesten Sinne) und Tanz. Gemeinsam ist beiden: Metrik. Im Wechselspiel der Versmaße, der Rhetorik einerseits und dem ekstatischen Wiederholen und Variieren von Bewegungsabläufen entsteht die Klangrede im absolut musikalischen Sinn.

N. R. (2009)

Man darf beim Entwickeln einer Interpretation nicht vergessen, daß früher nicht historische Beschäftigungen mit einem bestimmten Stil ausschlaggebend waren, sondern das lebendige Erleben.
Historisches Informiertsein ist nicht der Zweck des Musikmachens und kann keine Bewertungskategorie sein.

Das heißt aber nicht, daß heute jene historische Beschäftigung unwichtig wäre. – Im Gegenteil: Sie ist notwendig, um das lebendige Erleben der Kultur einer vergangenen Zeit nachvollziehen zu können und unserer Zeit erst einen Zugang zu schaffen, der weder museal noch akademisch ist.

Dieses scheinbare Paradoxon, diese Spannung aber ist der Preis des Nachgeborenseins und der Freiheit, aus 1000 Jahren Musikgeschichte wählen zu können.

N. R. (2009)

Es sollte nicht um „Richtig/Falsch“ gehen, sondern um „Wahr/Falsch“.

Wahrhaftiges Musikmachen bedingt völlige Öffnung. Das macht verletzlich. Eine Folge der menschlich verständlichen Vermeidung dieser Verwundbarkeit im täglichen Betrieb ist die Substituierung von „Richtig/Falsch“, einem Scheinkriterium – einem mechanistischen Denken, das eine technische Voraussetzung zum Ziel erklärt und grundlegend das vormals über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende gleiche Ziel jeglicher Musikausübung verfälscht.

N. R.