Ein Versuch, die unbeantwortbare Frage einzukreisen: Ein Miteinander Erleben – Erfühlen – Erforschen – Erhorchen – Atmen – Leben – Denken Gleiche Zielrichtung ohne Gleichmacherei Auf emotionaler Ebene: Freude erleben – Schlimmes erträglich machen – Katharsis

„no doubt pleasant are the teares which Musicke weepes.“ (John Dowland)
Die große Frage: Warum sind in der Musik positive Emotionen unmittelbar erlebbar, negative aber werden verwandelt?

Was ist Musik?

In fast allen mir bekannten historischen Traktaten, die über musikalische Form bzw. thematische Struktur sprechen, werden Analogien zur Dichtkunst gezogen. Die klassische europäische Musik hat zwei Wurzeln, die bis weit ins 20. Jahrhundert bestimmend bleiben: Dichtung (im weitesten Sinne) und Tanz. Gemeinsam ist beiden: Metrik. Im Wechselspiel der Versmaße, der Rhetorik einerseits und dem ekstatischen Wiederholen und Variieren von Bewegungsabläufen entsteht die Klangrede im absolut musikalischen Sinn.

Dichtkunst

Man darf beim Entwickeln einer Interpretation nicht vergessen, daß früher nicht historische Beschäftigungen mit einem bestimmten Stil ausschlaggebend waren, sondern das lebendige Erleben. Historisches Informiertsein ist nicht der Zweck des Musikmachens und kann keine Bewertungskategorie sein. Das heißt aber nicht, daß heute jene historische Beschäftigung unwichtig wäre. - Im Gegenteil: Sie ist notwendig, um das lebendige Erleben der Kultur einer vergangenen Zeit nachvollziehen zu können und unserer Zeit erst einen Zugang zu schaffen, der weder museal noch akademisch ist. Dieses scheinbare Paradoxon, diese Spannung aber ist der Preis des Nachgeborenseins und der Freiheit, aus 1000 Jahren Musikgeschichte wählen zu können.

Aufführungspraxis